- Prolog -

Im Laufe der Zeit als Schreiberling meiner Reiseberichte bekenne ich, Fan vom Prologe schreiben zu sein.
Es gibt einem die Möglichkeit, noch einmal den Werdegang zur jeweiligen Reise revue passieren zu lassen.

Denn wie so oft in unserer Reiseplanung sollte es in diesem Frühjahr eigentlich nach Island gehen.
Also ich wollte nach Island.
Aber Rainer war nicht zu überzeugen. Auch nicht mit einmaligen Tauchgründen bzw. sensationellen Views.
Ich könne doch alleine die Insel besuchen. Rainer will an keinem Ort Urlaub machen, wo er schon vorher weiß, daß er einen Anorak braucht!

Ok. Verstanden.

Er schlägt den Südwesten der USA vor. Da könnten wir endlich Gebiete "abklappern" die im Sommer wegen der hohen Temperaturen unzumutbar sind.
Gesagt - getan: Flug gebucht.

Und so ist die Planung relativ übersichtlich und unkompliziert.
Effektiv werden es nur neun volle Tage sein.
Aber das ist nicht so dramatisch. Denn unser USA-Fieber brennt nicht mehr so heiß wie früher.
Seit 1993 verbrachten wir unsere Urlaube kreuz und quer mit und ohne Kinder auf den unendlichen Straßen des Landes.
Dieses Mal soll es nur ein Besuch sein, um dort zu sein, die Wärme zu genießen und eben ein paar rote Steine sowie das Death Valley zu besuchen.

Doch ein paar Tage vor dem Abflugtermin erwischt mich eine Seitenstrangangina.
Ich bin am Verzweifeln und kann mir nicht vorstellen, in ein paar Tagen wieder einigermaßen fit zu sein. Weder für den langen Flug noch den gesamten Urlaub. Mein HNO Arzt "schießt scharf" und hat schon am Montag keine Zweifel, daß ich am Donnerstag nicht unbedingt gesund aber ganz gut transportfähig bin.
Bedingung: ich soll mich bis dahin maximal mit Bettruhe schonen.
Was anderes kann ich auch nicht tun. Mir ist noch nicht einmal nach "computern".
Und so kommt die Feinplanung für unseren Kurztrip etwas zu kurz.

- Unsere Route -

usa2015

- Anreise -

Die Nacht war kurz.
Gegen 4 am klingelt der Wecker.
Anziehen, die letzten "belongings" einpacken, dann geht es zum Airport.
Wie schön, daß unser Sohn gerade in Berlin zu Besuch ist, das spart uns die Taxikosten.

Der Zubringer, eine A321, bringt uns fast pünktlich nach Frankfurt.
Am Terminal Z, wo die ganz großen Flieger abgefertigt werden, gönnen wir uns noch einen Tee nebst leckeren Muffins. Die üblichen Piccolöchen entfallen, da ich immer noch Antibiotika einnehme.

Der erste Anblick unseres Transporters. Sieht doch ganz schön gigantisch aus, oder?

airbus a380

Wir haben zum ersten Mal die neue Premium Economy Class der LH gebucht und ich bin schon gespannt, ob sich der Aufpreis, bei uns waren es 380€ für beide Strecken, lohnen wird.
Unsere Plätze sind in Reihe 56. Diese Reihe ist in der A380 im unteren Deck, jedoch ganz vorn. Die seitlichen Reihen sind Zweierreihen und die Sitze sind sehr komfortabel, deren Rückenlehne sich wie bei einem Relaxstuhl nach hinten klappen läßt. Es gibt eine stufenlos verstellbare Fußstütze, die gerade für kleinere Menschen, wie ich es bin, sehr angenehm ist. Und was wir wirklich genießen sind die breiten Mittellehnen!
Alles in allem sage ich mal: es ist die Business Class für Arme.
Und ja, wir sind begeistert und bereuen den Aufpreis nicht.

Bevor die ganze Prozedur der Sicherheitseinweisungen beginnt, werden wir mit Orangen-Pfefferminzsaft verwöhnt.
Alles ist wunderbar. Doch wenn ich nun daran denke, daß wir jetzt einen elf stündigen Flug vor uns haben, wird es mir ganz mulmig.
Mir fallen gleich Reiseberichte ein, wo geschrieben wurde: "der Flug war eher unauffällig"
Oh Mann.
Das will ich auch mal schreiben können.

Wir starten etwas verspätet.
Einige Passagiere sind nicht gekommen und so imuß das unbegleitete Gepäck, im Bauch unserer Maschine, wieder raus.
Doch dann geht es endlich los.
Der Start ist weich wie gewohnt. Der gesamte Flug weitestgehend wackelfrei.
Ich lenke mich mit "Frau Müller muß weg" und "Ex-Machina" ab.
Über Grönland reißt die Wolkendecke auf und wir haben seit mehr als 10 Jahren wieder einmal einen Blick auf die Eisschollen.
Einfach traumhaft.

groenland

Doch kaum, daß wir über dem Festland sind, verwehrt uns die geschlossene Wolkendecke die Sicht.

Wir erreichen LA indem sich der Flieger durch eine gefühlte 5 km dicke Wolke arbeitet.
Als wir endlich über LA kreisen, sieht man die Stadt in strömendem Regen.
So sind wir noch nie von LA empfangen worden.

lax arriving

Die Immigration dauert mehr als eine Stunde.
Was soll's. Es gibt kostenloses wifi. So hält man die Ankommenden bei Laune.
Denn alle appen und facetimen was das Zeug hält.

Als wir endlich dran sind, ist unser Officer nicht nur weiblich, sondern außergewöhnlich freundlich.
Um die Zeit der Prozedur zu überbrücken, frage ich sie doch ganz belanglos was man mit all den Daten so macht.
Huh. Das war doch die falsche Frage.
Misses Officer erzählt uns, daß es gut sei, daß sie alle unsere Fingerabdrücke haben. So können doch u.a. Verbrechen auf der ganzen Welt geklärt werden, wenn irgendwo ein "bad guy" wieder kriminell wird. "So sind wir doch alle geschützt"
Ok, ok.

Als wir uns endlich von dieser Propaganda losreißen können, bekomme ich nicht nur böse Blicke von Rainer, sondern auch noch eine Ermahnung, nie wieder solche Fragen zu stellen.

Ach ja. Der Flug war doch tatsächlich ereignislos und verwacklungsfrei

Dank der neuen Selfservice-Kioske bei Alamo geht es relativ zügig voran.
Wir haben einen Full Size SUV gebucht und entscheiden uns für einen Ford Expedition EL XLT.
Der hat gerade mal 7.000 Meilen runter und ist wunderbar geräumig.

Durch die lange Wartezeit an der Immigration und den Stau auf dem Weg zur Alamo Vermietstation ist es schon kurz vor 4pm.
Und so kommen wir jetzt noch in die rush hour.
Für die kommenden 30 Meilen gen Ridgecrest, unserem heutigen Ziel, brauchen wir ganze zwei Stunden.
Zwischendrin gibt es einen Stopp bei "Sports Authority".
Meine polarisierte Sonnenbrille, die ich immer bei Wanderungen benutze, ist mir neulich kaputt gegangen.
Also rein in den Laden, Brille fassen, bezahlen.
Eine viertel Stunde später geht es weiter.

Erst als sich der Hwy 405, der Hwy 5 und diverse andere Hwy's ineinandergereiht haben, kann man wieder von Fahren sprechen.
Wegen der fortgeschrittenen Zeit entscheiden wir uns schon in Palmdale essen zu gehen.
Ganz zufällig weiß ich, daß es hier weit und breit das einzige Outback-Restaurant gibt.
Ein Housesalad, ein Victorias Filet für jeden. Das ist ankommen in den USA!
Abgesehen davon: seit wann sind die Filets nur in den Gewichten 6oz und 8oz zu haben Da sind wir beide uns ganz sicher, daß es bisher 6oz und 9oz waren.

Kurz nach 9 pm erreichen wir unser Hotel in Ridgecrest.
Es sind 7° C, es fegt ein eisiger Wind und Rainer fragt mich, warum er eine kurze Hose einpacken sollte.
Und ob ich mich nicht vorher informiert hätte, wie die momentane Wettersituation ist.
Ok Rainer.
Du wolltest nicht mit mir nach Island... dann kommt eben Island zu uns