cathedral Valley Road,utah
Tag 8: ...neuer Tag, neues Abendteuer...
Heute ist wieder Reisetag,
Wir verlassen Torrey. Heutiges Ziel: Escalante.
Die Fahrt nach Escalante ist nicht lang. Wir entscheiden uns deshalb noch für eine kurze und vor allem bequeme Attraktion im Capitol Reef: Das Cathedral Valley. Mit dem Temple of the Sun and Temple of the Moon.
Es gibt mehrere Zugänge zum Valley.
Der etwas anstrengendere Weg, der nur durch Autos mit wirklichem 4WD und hoher Bodenfreiheit gefahren werden sollte, beginnt am MM 91 (11,8 mi vom Visitor Center) und führt in die Hartnet Rd. Diese überquert am Anfang den Fremont River.
Der einfachere und aus meiner Sicht bessere Weg ist die Cathedral Rd.490 West und beginnt 18,6 Meilen vom Visitor Center zwischen MM 87 und 98.
Die Straße ist unbefestigt und rillig.
Die ersten Attraktionen sind 26 Meilen von der Zivilisation entfernt.
Die Einfahrt selbst ist nicht ausgeschildert. Erst wenn man einige Meter gefahren ist, steht ein entsprechendes Schild. Nach einer kurzen Fahrt teilt sich der Weg ohne Hinweis. Ganz wichtig ist nun immer rechts zu bleiben.
Was gibt es zu sehen?
Zu allererst unendliche Mondlandschaft. Und ich gebe auch zu, daß einen schon mal der Mut verlassen kann oder man ins Zweifeln gerät, wenn man schon so viel "Erlebnisse der außerordentlichen Art" wie wir sie hatten, ständig vor Augen hat.
Bei jeder Sandpassage oder "natürlichen Treppen" würde ich am liebsten umkehren. Ganz bestimmt komme ich auf einen Liter Angstschweiß. Wir begegnen nur einem Fahrzeug. Und eingeheizt ist heute auch wieder gut!
temple of the moon, utah Nach einer knappen Stunde erreichen wir die ersten 2 Tempel. Beide Monolithen stehen hintereinander auf einer Stichstraße. Langes Wandern ist tatsächlich nicht erforderlich.
Schon von Weitem sieht man, daß der Temple of Moon kleiner ist.
Steht man jedoch davor, ist der Monolith gigantisch hoch und massiv.
Es herrscht eine herrliche Ruhe...wir sind ganz allein.
38°26'42"N 111°11'31"W
temple of the moon, utah
temple of the sun, utah
Eigentlich sind wir beide froh, daß wir bis hierher vollkommen unbeschadet gekommen sind. Deshalb gehts jetzt wieder zurück.
Unterwegs bleiben wir noch an einem vertrockneten aber fotogenen Flußlauf stehen. Schauen uns etwas um, finden einen alten Knochen von wem auch immer...

Hier kann man noch einmal sehen, wie groß diese Senke ist, wenn man einen Menschen als Vergleich hat.


Ein letzter Blick in den vertrockneten Wash.

Jedes Jahr erleben wir eine andere "Überraschung" und so bin ich froh, wenn wir wieder unbeschadet an einer asphaltierten Straße ankommen.
Über dem Burr Trail hängt eine häßlich dunkle Wolke. Deshalb fahren wir die UT 24 bis Boulder.
Im malerisch gelegenen Hell's Backbone Grill machen wir den ersten Boxenstopp. Eigentlich ist hier zwischen 2.30pm und 5pm geschlossen. Und obwohl es schon 3pm ist bedient man uns noch. Gut, wir wollen ja eh nur einen Kaffe haben. Aber der ist vorzüglich!
Gestärkt geht's jetzt weiter, nicht über die gewohnte UT 24, die kennen wir ja schon, wir nehmen die Hell's Backbone Road. Eine Empfehlung von Sepp.
So weit - so gut.
Auch diese Straße ist unbefestigt und ich sitze wieder im angespannten Zustand in Erwartung auf einen Reifenplatzer, im Sand Steckenbleiber oder ähnliches. Was passiert uns dieses Jahr.
Die Strecke ist sehr schön. Man fährt vorbei an weiten Landschaften, an Espenwäldern...immer wieder springt ein Reh über die Straße und die Squirrels überqueren im Minutentakt die Straße.

An einer Lichtung bleiben wir stehen.
Ich steige aus und will ein Foto machen...Rainer eine Videoaufnahme...der Schlüssel steckt...wir beide schließen die Tür...
und dann ist es passiert: die Automatik verschließt das Auto und wir kommen nicht mehr rein!!!
Das gibt es doch nicht. Wie oft haben wir es genau so gemacht....
kurz mal aussteigen. Auto ist zwar aus aber der Schlüssel drin.
Hm. Da stehen wir nun und können keine Tür öffnen! Vergeblich versuchen wir die Tür zu öffnen, sind uns dabei aber ganz sicher, daß wir keine Schuld haben. Und hoffen auf irgendeine "Entspannung" der Elektronik, die vielleicht durch das Gerüttel auf der unbefestigten Straße etwas "durcheinander" gekommen sein muß.
Nach eine Viertelstunde ist für mich alles klar: ich schleppe einen Klopper von Stein an und will das Fenster der Fahrerseite einschlagen. Rainer fällt fast ins Koma vor Aufregung, daß ich so schnell dabei bin, das Auto kaputt zu machen.
Ich will nur eins nicht: hier in der Muschpukei alleine den Abend oder womöglich die Nacht außerhalb des Autos zu verbringen. Zusammen mit all den "Elchen" des Waldes oder Bären. Nö, das will ich einfach nicht.
So, nun haben wir schon die gesamten Tage geulkt, was denn dieses Jahr passiert. Aber auf so'n Sch... wäre doch niemand gekommen!
Nach einer weiteren Weile der Diskussion, ob ich nun das Fenster einkloppen darf oder nicht, kommt ein Auto mit Familie über'n Berg angefahren. Sie steigen aus, hören sich unsere Story an...stellen sich vor und sagen: We will help you.
Jetzt fällt mir wirklich ein Stein vom Herzen.
Ich weiß ganz ehrlich gesagt nicht, ob ich in Dtl. so schnell jemandem helfen würde...mein erster Gedanke wäre doch: ist das hier wieder irgendein "Rumänentrick"?... 2 Personen mit dem Auto mitten auf der Straße?
Aber als die erwachsene Tochter mit einem riesigen, schwarzen Hund aussteigt, bin ich mir nicht mehr sicher, ob ich das auch noch überlebe!
Die Männer rütteln und versuchen sich an den Türen und dann fällt ganz schnell eine Entscheidung: Tochter mit Hund steigen nach vorn ein, Kate und wir beide sitzen hinten.
Sie nehmen uns mit zurück nach Boulder.
Unterwegs quatschen wir das ganz normale Blabla...erfahren, daß sie aus Salt Lake City sind, die Tochter seit kurzem hier nach Boulder gezogen ist und sie gerade ein verlängertes Wochenende bei ihr verbringen.
Im Ort angekommen, gehen wir in die Rezeption des "Hell's Backbone's"- Resorts telefonieren mit Alamo und hoffen darauf, daß man uns den Masterzahlencode, der sich an der Außenseite der Tür befindet, geben kann.
Den bekommen wir auch, aber man weiß nicht, ob der auch funktioniert.
Na klasse.
Andere Varianten, wie den Sheriff anzurufen oder Hilfe aus der nahegelegenen Ranch zu holen, notieren wir zwar als allerletzte Lösung...hoffen aber auf die Lösung mittels Zahlencode.
John und Kate beschließen wieder mit uns zum Auto zu fahren.
Er greift sich einen dünnen Kleiderbügel und wir ziehen ab.
Oben angekommen stellen wir fest, der Code funktioniert nicht. Die Enttäuschung ist entsprechend groß. Nun versuchen sich die Männer an der Tür auf eine Weise, die ich hier gar nicht erst beschreiben will.
Mit unserem privaten Auto würden wir so etwas wahrscheinlich nicht tun.
Völlig resigniert sucht Kate im eigenen Auto nach irgendeinem Werkzeug, das behilflich sein könnte.
Und wer hätte es gedacht...ein recht kleiner aber stabiler Fischköscher ist die Lösung!
Ok. Dann ist es wie immer bei unseren Pannen. Jeder macht von dem anderen noch ein Foto...
wir wollen zum Dank die beiden zum Dinner einladen, aber sie haben keine Zeit und lehnen ab. Im Gegenteil, sie laden uns ein, sie auf deren Party zu begleiten...aber das lehnen wir wieder ab...
Wir fahren zurück auf die UT24 und lassen die Fahrt auf der Hells Backbone sein.


Als wir in Escalante ankommen, begrüßt uns Cate, die Inhaberin des Canyons B&B.
Wir wohnen wieder im Gardenroom, genau wie letztes Jahr.

Abends gehen wir noch "auf'n Burger" in's Cowboy Blues Steak Restaurant, wo wir die einzigen Gäste sind.
Wir werden hervorragend bedient. Und die Burger sind sehr schmackhaft.

Ich liebe dieses Escalante, mit dieser schön verschlafen wirkenden "Skyline"
Gefahrene Meilen: 172mi = 277km
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