yosemite np, california
Tag 20: Yosemite National Park
1993, bei unserem ersten Besuch in den USA, da gab es einfach nicht so viele Infos wie heute.
Aber als ADAC-Mitglieder waren wir "top" ausgerüstet mit einer "USA-Südwest-Karte".
Die Highlights waren in dieser Karte beschrieben...natürlich gehörte der Yosemite dazu...
Den wir damals übrigens "Josemiete" nannten.
Von wo sollten wir auch wissen wie es richtig ausgesprochen wird
Doch schon im ersten RV-Park, in Santa Barbara, haben wir ein müdes Lächeln geerntet, als wir uns outeten, daß wir keine Reservierung für einen Campground im Park haben.
Ok, wenn es also ein Park ist, wo ALLE hinfahren, dann wollten wir doch nicht hin. Schließlich suchen wir ja die Einsamkeit!
Und so blieben wir bei dieser Meinung über die ganzen Jahre.
Dieses Jahr jedoch, während unseres 20 jährigen Jubiläums, sollte der Yosemite NP endlich seine Chance bekommen.
"Schon" im Februar habe ich das Internet nach Übernachtungsmöglichkeiten am oder in der Nähe des westlichen Ausgangs abgesucht. Und dabei war ich total enttäuscht, daß ein halbes Jahr vor Anreisetermin die besten Angebote schon ausgebucht waren und nur noch überteuerte plüschige Laubenzimmer buchbar waren. Oder es war so überteuert, daß ich letztendlich vollkommen gegen den Besuch dieses Parks war. Schließlich hätte der Park jetzt seine letzte Chance verspielt!
Der Aufenthalt in Mammoth Lakes an der östlichen Flanke der Sierra Nevada wurde darauf hin auf 4 Nächte verlängert.
Und damit: basta!
Als wir aber am Tag nach unserer Ankunft hier, in Mammoth Lakes das Visitor Center "konsultiert" haben, war der Ranger voll aus den Socken, daß wir den Yosemite ignorieren wollen. Er meinte, wir sollen wenigstens die östliche Seite besuchen und bis zu den Toulumne Meadows fahren...vielleicht sogar noch bis zum Tenaya Lake. Es wird uns wirklich faszinieren.
Hm.
Seit wann "bettelt" ein Ranger um den Besuch eines Parks...
Laut Wetterbericht sollte ja ein Hoch wunderschönes und wolkenfreies Wetter bringen.
So entschließen wir uns heute, am Freitag...bevor die Massen am Wochenende kommen, dem Park eine allerletzte Chance zu geben.
Ohne jegliche Erwartung und vor allem ohne jegliche Vorbereitung, starten wir also gen Norden zum Hwy120, der Tioga Pass Rd.
Es ist wie es kommen muß. Schon auf den ersten Metern sind wir über die wahnsinnige Weite begeistert. Ganz in der Ferne "glitzern" kleine, bewegte Punkte auf. Das sind fahrende Autos, die sich am Rand der kahlen "Felsköpfe" nach oben schrauben. Wahnsinn! Ohne einen solchen Größenvergleich würde man diese Dimension gar nicht richtige erfassen können.

Noch vor dem offiziellen Eingang in den Park bleiben wir ständig stehen...fotografieren bzw. filmen es und stellen übereinstimmend fest: ist wieder einmal, wie so oft, nur ein billiger Ersatz zur Erinnerung.
In Wirklichkeit ist alles größer und vor allem viel schöner, sensationeller, beeindruckender...
Die Faszination hat uns im Griff. Natürlich wird es durch das perfekte Wetter noch beeindruckender.

Tioga Lake

Am Eingang zum National Park wartet schon eine längere Schlange und wir malen uns schon aus, daß der Park proppevoll ist.
Wir erhalten eine Lagekarte und planen, was so möglich wäre, ohne zu hetzen.
Ich kann gar nicht sagen, wie oft wir dann noch stehen bleiben, bevor wir das Gebiet der Toulumne Meadows erreichen.

Die Toulumne Meadows...? Naja. Nicht schlecht. Aber auch nicht umwerfend.
Trotzdem sind wir von der Schönheit des östlichen Parks so fasziniert, daß eins schon jetzt klar ist: wir fahren weiter in den Park hinein und zwar mindestens bis zum Tenaya Lake.
"Richtiges" Weiterfahren ist nicht wirklich möglich, denn schon kurze Zeit später müssen wir hier auch wieder einmal stehen bleiben.
Auf dem glatzköpfigen "Hügel" sind 4 Bergsteiger unterwegs.
Und wieder einmal würde man ohne diese Bergsteiger gar nicht fähig sein, die schiere Größe des Felsens zu erfassen.



und angezoomt:

Der Tenaya Lake liegt malerisch in der Sonne und lädt zum Baden oder zumindestens zum Verweilen ein.
Wir stellen das Auto ab und spazieren bis zur gegenüberliegenden Seite...
Also fast.
Denn der Zufluß bildet eine natürliche Grenze. Und ja, man könnte rüberlaufen, denn es wird nicht tiefer als ein Meter. Aber wir haben gar keine Badeklammotten mit.
Der See ist so riesig, daß ich Probleme habe, diesen mit meinem Weitwinkelobjektiv auf ein Bild zu bekommen.
Es ist kurz nach Mittag, als wir den Olmsted Point erreichen.
Von hier hat man nicht nur wieder einmal eine kleine Übersicht über ein weiteres Tal des Parks, von hier kann man zum ersten Mal den Half Dome sehen.
Ich bin nicht wirklich erfreut, als Rainer nun so "geblendet" ist von diesem halben "Glatzkopf", daß er ...so ganz ohne mich, beschlossen hat, daß wir noch bis zum Glacier Point weiter fahren.
Wir schauen auf die Karte, die wir am Eingang erhalten haben...ich finde es Wahnsinn!...aber wen interessiert's... Rainer ist der Fahrer und der Entscheider.
Alle meine Einwände prallen an Rainer ab.

Auf der anderen Seite sehen die Steinformationen nicht minder interessant aus!

Der folgende Weg "zieht sich" und ist weniger aufregend.
Wir durchqueren Waldlandschaften...Wiesen...und wieder Waldlandschaften...aber Nichts wofür es sich lohnt stehen zu bleiben.
Erst als der Tioga Pass zur Big Oak Flat Rd. und dann zur El Portal Rd. wird, wird die Strecke interessanter und auch kurviger. Es gibt immer wieder Ausblicke auf den Half Dome, der neben dem El Capitan zu den "Aushängeschildern" des Parks gehören.
Ganz interessant fand ich diese Übersicht, wie und von wo man den Half Dome sehen kann:



Die Straße schlängelt sich auf der einen Seite ganz eng am Felsen und auf der anderen Seite hat man immer den herrlichen Blick ins Yosemite Valley und auf den Merced River.

Und dann "die Königsaussicht"...
Alle Höhepunkte des Parks auf einen Blick:

 
  • El Capitan
  • Half Dome
  • Yosemite Valley
  • Bridalveil Falls (letztere waren bei uns nicht zu sehen )



Den Wawona Tunnel View bei 1363m Höhe gibt es seit 1933

37°32'57"N 119°40'38"W
Tja, wären wir etwas vorbereitet, wüßten wir auch, daß der El Capitan direkt vor unserer Nase steht.
Aber zu diesem Zeitpunkt wissen wir das noch nicht. Und so bleibt unser Wunsch ganz reduziert auf den Ausblick vom Glacier Point.
Danach folgt eine ziemlich unruhige Fahrt durch den etwa 1 Meilen langen Tunnel.
Denn Rainer "kämpft" mit einem imaginären "Flugtier". Dementsperechend schlingernd ist unsere Fahrt.
Als wir den Tunnel verlassen, bestehe ich darauf, daß wir aussteigen und die Sache in Ruhe klären.
Hm. Nichts gefunden.
der Blick in den westlichen Ausgang des Tunnels Blick auf die in den Felsen "eingefräste" Straße,
ganz unauffällig und wahnsinnig nichtig im Vergleich zum Gesamten
Die Fahrt geht weiter.
In Erwartung, daß wir eeeendlich da sind, sehe ich in meinem rechten Augenwinkel irgendetwas, das nicht in's Auto gehört.
Nein es wirkt nicht wirklich "zart".
Es fällt von der Decke an der Beifahrerseite direkt auf meinen Arm und dann auf meine Hose.
Instinktartig versuche ich dieses "Flugobjekt", mit gefühlt meterlangen Beinen und Fühlern, von mir zu schnipsen.
Ok.
Ich sehe es nun gar nicht mehr und das ist noch schlimmer!
Ich kriege einen Schreikrampf und öffne während der Fahrt die Tür...ganz ungeachtet dessen, daß wir gerade rechts an einer Felswand fahren...ich löse meinen Sicherheitsgurt und bin schon bereit während der Fahrt "auszusteigen".
Rainer findet in den nächsten Sekunden glücklicherweise auch eine Möglichkeit stehen zu bleiben.
Ich verlasse fluchtartig erst einmal das Auto, um dann zu schauen WAS es ist und vor allem WO es ist.
Wir finden einen verängstigten tiefbraunen, etwas 4-5cm großen "Flugkäfer" unbekannter Sorte, der sicher auch froh ist meine "Attake" überlebt zu haben.
Und ganz nebenbei finden wir auch das Tier, das Rainer vorher schon "geärgert" hat.
Ok.
Natur... gut und schön. Aber bitte nicht auf so engem Raum!

Hinterher haben wir unseren Spaß über meine Reaktion und so vergeht auch die unendliche Fahrt zum Glacier Point.
Angenehm überrascht sind wir vor allem, daß man trotz der vielen Menschen hier im Park immer wieder und ohne langes Suchen einen Parkplatz findet.
Es bedarf wirklich nur weniger Schritte bis man dann dieses Monster von Fels sieht, den Half Dome.
Ein Anblick, den man schon in vielen anderen Prospekten und Reiseberichten gesehen hat.
Aber in Natura und mit eigenen Augen ist dieser Anblick phänomenal.


An einer Felskante, sozusagen in der "ersten Reihe", lassen wir uns nieder und machen das, was alle Amis tun: picknicken. Selbstgemachte Stullen und warmer Tee schmecken dreimal so gut bei dieser Aussicht.
Hier vergessen wir die Zeit und noch den elend langen Rückweg bis Mammoth Lake.
Ist das schön hier!
Was uns noch fehlt bei diesem Schnupperausflug in den Yosemite Park, ist der El Capitan.
Aber keine Ahnung wo der "stecken" mag.
Und für weitere oder gar ausgedehnte Ausflüge, auch nicht ins Yosemite Valley, haben wir nun wirklich keine Zeit mehr. Wir fahren den gleichen Weg zurück.
In der Wawona Rd. angekommen, können wir unseren "shortcut" an der Pohono Bridge nicht nehmen, denn die Straße ist eine "oneway-road" in die andere Richtung. Also folgen wir gezwungenermaßen der Straße so weit wie nötig.
Und dann werden wir zu Glückspilzen, denn der etwa 915m hohe El Capitan "stellt" sich uns direkt in den Weg.
Erst jetzt, schauen wir genau auf unseren Plan und können das Gesehene, z.B. am Tunnel View, richtig "einordnen".
Klasse.
So unvorbereitet, wie wir hier in den Park gekommen sind, wurden wir nicht nur mit dem schönsten Wetter beschenkt, sondern auch noch durch die Straßenführung "gezwungen" die großen Highlights des Parks wenigstens einmal zu sehen.
Ja, spätestens jetzt ist klar: für diesen Park müssen wir in einem unserer nächsten Urlaube mindestens 3-4 Tage einplanen!

Badestelle im Valley
Der Rückweg ist gefühlt etwas kürzer.
Ein Stopp muß noch sein...der Tenaya Lake, ob vom Weiten oder ganz nah...
In abendlichen Stimmung ist er noch schöner als am Tag.

...und manchmal "begeistert" die Technik, aber hier bleibt es nur ein Versuch den gesamten Lake auf einmal darzustellen...
Noch bevor wir die Tioga Road ganz verlassen, entdecken wir rechterhand einen unbefestigten Weg, der uns auf eine Anhöhe bringt. Von hier oben hat man mal die Gelegenheit, den Mono Lake in seiner gesamten Größe zu sehen.
Im Mammoth Lakes angekommen geht's zu "Carl's Jr.", denn auf Abendbrotzubereitung haben wir beide keine Lust mehr. Und wozu gibt es denn schließlich Fastfoodresaturants?
Ein wahnsinnig erlebnisreicher Tag geht zu Ende.
Und ja, wir haben "Frieden" geschlossen mit dem "Josemiete" ...
Gefahrene Meilen: 255mi = 411km
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