toroweap recreation area,arizona
Tag 12: ...eine Nacht in der Natur...
...kurz nach 1am...
Ich werde wach, weil Rainer sich bis nach ganz vorn zum Fußraum "durchgearbeitet" hat, wo sich unser Rucksack mit der Taschenlampe befindet.
"oh Mann, ich will schlafen...was ist'n los? "
"wir haben ein Tier im Auto..."
"waaaas?"...
Ich bin hellwach und sitze sekundenschnell aufrecht!
"...wahrscheinlich ist es auf dem Amaturenbrett!"
"oh neee..."
Rainer fuchtelt mit der Taschenlampe rum...ich dagegen will's gar nicht wirklich wissen, was es ist!
"da!"
Tatsächlich steht auf dem Amaturenbrett eine vollkommen unter Schock stehende, angestrahlte, schöne graue Maus.
Sie bewegt sich keinen Millimeter.
Wir aber auch nicht.
Mir fällt ein Stein vom Herzen, daß es "nur" eine kleine Maus ist und kein Skorpion oder etwa eine Schlange. Schon bei einem 20 cm langen Wurm hätte ich meine Schlafstelle binnen Sekunden auf's Dach verlegt.
Aber die Maus, die ist echt süß.
Ich würde sie gern fotografieren...aber wo ist mein Fotoapparat?
Ach ja, auch vorn im Fußraum.
Da komme ich nicht ran.
Hm. Schade.
Gefühlte 10 min schauen 4 Menschenaugen in 2 Mäuseaugen.
Und dann tippelt die kleine Maus in Richtung Fenster der Fahrerseite. Fummelt da etwas am Fliegengitter rum, kommt nicht raus und sprintet zur Beifahrerseite.
Ach ja. Nun wissen wir auch, wie sie reingekommen ist.
Tatsächlich war schon beim Ankleben der Gaze dort ein Schwachpunkt und so habe ich gerade diese Stelle doppelt geklebt. Aber die Maus ist nicht dumm und wußte, daß sie aus einer dieser Ecken reingekommen ist.
Sie findet tatsächlich den "Ausgang"...zögert aber noch etwas ...
Hm. Was nun? Hat sie etwa was vergessen?
Wir feuern sie an: "los, da geht's raus...ja ja..."
Rainer betätigt den Fensterheber...
Allerdings dauert es noch eine Sekunde bis ihr Schwänzchen aus der Gefahrenzone raus ist.
Wir schließen beide vorderen Fenster und starten den Versuch weiter zu schlafen.
Es knistert auf dem Dach.
Die Kleine läßt nicht locker. Ganz offensichtlich versucht sie, die Folie zu den Getränken durchzubeißen oder sich an unseren Koffern zu schaffen zu machen.
Ruhe.
Wie lustig. Unser Mäuschen läuft an der äußeren Wulst des hinteren Fensterrahmens. Es sieht aus wie ein Scherenschnitt.
Wir schließen nun auch die hinteren Fenster bis auf halbe Höhe und schlafen weiter.
4.15am klingelt unser Wecker.
Es ist stockdunkel. Um 5am wollen wir ja vorn am Rim sein.
Hm.
Das kann nicht sein...soo dunkel, wenn in einer dreiviertel Stunde die Sonne aufgehen soll?
Dann fällt uns ein, daß wir in Arizona sind und Philip ganz bestimmt 5am Arizona-Time meinte.
Unser Wecker hat uns also 3.15am geweckt.
Der Wecker wird umgestellt und wir schlafen gleich weiter.
4.15am Arizona-Time klingelt wieder der Wecker...
Es ist nicht mehr so dunkel aber der Himmel ist total bedeckt.
Und keiner von uns beiden hat Lust aufzustehen.
Kurz vor 6am kommen wir zu uns.
Der Himmel ist immer noch bedeckt und von Sonne keine Spur.

Wir frühstücken auf der Picknickbank...freuen uns, die Nacht überstanden zu haben.
Rainer will nie wieder im Auto schlafen...und ich?...ich fand's irgendwie cool!
...beim Frühstück, da fehlt es uns an nichts... ...hier hat sich die Maus den Ein- und Ausgang geschaffen...
Am Rim angekommen, begrüßt uns Philip und fragt, wo wir zum Sunrise waren. Aber es gab keinen Sonnenaufgang.
Inzwischen ist es halb sieben und die Sonne bohrt sich durch die Wolkendecke.
Na bitte. Sie hat auf uns gewartet...
Die Fotos direkt am Rim kann ich nicht machen.
Rainer bekommt genaue Anweisungen mit welchen Einstellungen er welche Ansichten fotografieren soll. Das nennt man Arbeitsteilung.
Von einer höher gelegenen Klippe mache ich eine Aufnahme von Rainer, wie er auf dem vorgelagerten Stein steht. Das sieht gar nicht so dramatisch aus, die 2 m dorthin sind für mich der Horror!
Während also Rainer "beschäftigt" ist, schaue ich mir mit Philip sein ultimatives Sunrise-Foto von gestern an. Er zeigt mir, wie er mit PS bei der Entwicklung seiner RAW's etwas "cheatet" und ein wirklich geniales Foto herstellt.
Gegen 10 Uhr haben wir den Toroweap "abfotografiert". Wir sind fertig für die Abreise und verlassen den Campingplatz.
Zuerst heißt es die "Natur-Stufen" zu meistern.
Aber wenn man so einen Manövrierer wie mich hat, kann es nur gut gehen.
Wir fahren wieder den gleichen Weg zurück und kürzen nicht ab. Denn bei der gefahrenen Strecke wissen wir, was uns erwartet.

Unterwegs, und das begeistert uns, ist der Boden total ausgetrocknet und trotzdem sieht man allerhand Leben. Vögel mit seltsamen Schnäbeln, Hasen, Chipmunks...zarte Blümchen...
Und dann kommt eine Strecke, wo Grashüpfer wie Popkorn aus dem Gras schießen und auf's Auto springen. Einer ist ganz hartnäckig und läßt sich mehr als 20 Meilen chauffieren. Erst habe ich Aufnahmen von innen gemacht und dann sind wir stehen geblieben und der "Typ" machte keine Anstalten wegzuspringen...ein geniales Fotomodell.
Als wir auf der AZ389 ankommen sind wir froh das Abenteuer "Toroweap" relativ unbeschadet überstanden zu haben.
Der Blick in den Rückspiegel in Richtung Grand Canyon sagt uns, daß wir froh sein können, trocken hin und zurück gekommen zu sein. Tiefhängende dunkle Wolkenwände verheißen nichts Gutes für die nächsten Tage.
...und ich mach' wieder meine drei Kreuze...
Unser Auto sieht noch verstaubter aus als gestern.
Überall ist Staub.
Alles was man anfaßt ist sandig. Auch im Gesicht.

Hm. Irgendwie kein Car-Wash zu sehen.
In Colorado City fahren wir an eine Tanke und sehen einen Wasseranschluß. Rainer fragt, ob wir den benutzen dürfen...."absolutly".

Na dann aber los.
Die Anfahrt auf Hurricane ist doch schön. Man kann von oben auf das Städtchen sehen. Seit Jahren schon ist es für uns Usus, wenn wir diese Strecke fahren, bei Taco Bell Chalupas zu essen.
Hurricane empfängt uns mit gut geheizten 44°C.
Die weitere Fahrt nach Las Vegas ist grauenhaft langweilig.
Das Thermomether steigt auf 47°C an.
Wir lieben Hitze...aber das reicht erst einmal.
Als ich im Eingangsbereich des M Hotels in Henderson stehe...mit verstaubten und salzgetränkten Klamotten, die Haare fühlen sich an wie Stroh...mein Gesicht sandig...ich klebe in jeder Hautfalte...feinster Sand überall...habe ich den Eindruck, daß ich monatelang nicht geduscht habe.

Aber nein!...es war nur eine Nacht in der Natur!!!
Der elegante Hotelgeruch und die angenehme Kühle ist eine Wohltat. Oja, das ist es, was ich viel mehr liebe: Luxus
Unser Zimmer ist einfach nur...WOW.
Wir werfen alles hin und als erstes ist Duschen angesagt. Nee nicht duschen...schrubben!
Mein Gott, wie sind wir verpimpelt.
Aber aus dem Alter für solche Naturerlebnisse sind wir offensichtlich schon raus.
Dann gibt es Kaffee und Kekse. Wir sitzen an den zimmerhohen Fenstern und erfreuen uns an der Aussicht. Wir zögern erst, ob wir noch in den Pool gehen. Doch ehe wir uns entscheiden können, schließt der Pool. Las Vegas eben. Dabei könnte man doch jetzt noch etwas im Pool abhängen und an dem einen oder anderen Drink süffeln.
Eigentlich wollen wir am Abend noch in's "Städtchen" gehen, um etwas zu essen. Doch es ist noch nicht einmal richtig dunkel, da werden aus den angrenzenden Wohnanlagen schon Raketen in den Himmel geschossen. Es wird immer mehr. Dann schließt sich eine Feuerwerksshow im Green Valley an...Es ist nicht anders als bei uns in der Silvesternacht. Na nun kriegt uns keiner mehr vom Fenster weg...
Gefahrene Meilen: 258mi = 415km
Counter