toroweap point, arizona
Tag 11: Dritter Versuch - Übernachtung am Toroweap Point
Ein paar letzte Impressionen vom Canyons B&B. Schön war es hier.
Aber nun ist der große Tag gekommen: Wir nehmen den 3. Anlauf, um zum Toroweap Point zu fahren und dort auch zu übernachten.

In den letzten beiden Jahren hat uns der sogenannte Sommermonsun einen Strich durch die Rechnung gemacht. Bei Regen und Gewitter wollten wir weder die 61 mi auf der unbefestigten Straße fahren noch in dieser Abgeschiedenheit übernachten.

Aber heute sieht alles Bestens aus.
Kurz nach 11am haben wir unsere 7 Sachen im Auto verstaut, kaufen im Dorfkonsum noch Getränke und ab geht's.
Nur für die Statistik: es sind 36°C.
Bis zum Bryce Canyon benötigen wir ca. eine Stunde. Und eine Stunde später sind wir in Kanab, besorgen uns im Supermarket Eis für die Kühltasche, Orangensaft und einen Salat für's Abendbrot.
Essen bei Subway einen Footlong-Baguette und genau so ein Ding wandert in unsere Tasche für heute Abend.
Und dann geht's wirklich los.

Die 61 Meilen lange Straße bis zum Toroweap ist unbefestigt und läßt sich gut fahren.
Wir nehmen uns Zeit und brauchen knappe 2 Stunden bis zum Rangerhäuschen.
Ich gebe zu, daß ich tierischen Schiss habe, hier wegen eines Platten stehen zu bleiben. Einfach weil wir die letzten 40 Meilen keinem anderen Auto begegnet sind.
Puh, ich atme durch als die Rangerin rauskommt und uns begrüßt und einweist wie und wo wir campen dürfen.
Sie erzählt uns, daß sie aus Belgien ist und auch, daß schon eine Person mit uns am Campground sein wird. Da fühle ich mich gleich besser. Ich bin ein Stadtmensch und die absolute Einsamkeit mag ich nur bei der Planung, aber in der Realität fühle ich mich besser, wenn ich weiß, daß jemand in laufbarer Entfernung ist.
Das letzte Stückchen ist der einzige anspruchsvolle Teil der gesamten Strecke. Bis hierher hätte man auch mit einem normalen PKW fahren können.
Tatsächlich steht gleich nach der ersten "Treppe" ein PKW am Rand, ganz verlassen.
Bis zum Campground gibt es 2 wirklich knifflige Stellen, aber die Bodenfreiheit unseres Ford Escape ist absolut ausreichend.
Am Campground angekommen, können wir niemanden weiter sehen.
Der Campground teilt sich in eine rechte und linke Flanke auf. Um die Stellplätzen auf der linken Seite zu erreichen, gilt es noch einmal eine schwerpassierbare Stelle zu überwinden. Und das wollen wir nicht. So nehmen wir Platz No. 2. Wir haben eh die volle Auswahl!
Unbeantwortet bleibt uns, warum uns die Rangerin die Plätze 2 und 6 empfohlen hat...wegen eines Baumes? Hm.
Das sind meine 3 Kreuze, daß wir es unbeschadet bis hierher geschafft haben. Sieht ja richtig gemütlich aus, wie "unser" Auto da steht.
Wir machen uns als Erstes gleich auf den Weg zum sensationellen Aussichtspunkt.
Ich habe nur FlipFlops an, denn die Rangerin meinte, es seien nur eine Viertel Meile vom Parkplatz aus.
Wir begegnen einer Gruppe asiatischer Herkunft, die uns ganz entsetzt anschauen, wie locker und fröhlich, vor allem mit diesem Schuhwerk, wir so daher kommen. Sie selbst machen auf uns den Eindruck, sie kommen direkt vom Colorado...
Was für eine Fehlauskunft der Rangerin! In Wirklichkeit sind es vom Campingplatz etwas mehr als ein Kilometer.
Als wir ankommen, sehen wir in den Canyon und sind erst einmal enttäuscht.

DAS soll DER Aussichtspunkt sein?
WO ist denn diese Steilwand, die ich aus vielen Prospekten kenne. Zudem ist die Sicht ziemlich matschig und ein schöner Sonnenuntergang ist auch nicht zu erwarten.

Noch während wir so ziemlich bedäppert rumstehen, kommt ein wahsinniger Sandsturm auf.
Wir beide suchen Schutz an einem Baum. Ich habe das Gefühl jeden Moment den Kontakt zum Boden zu verlieren... man kann einfach nicht mehr gerade stehen...und das am Rim!
Nach einer Weile ist alles wieder Bestens.
In einem PKW, der genau am Rim parkt, sitzt ein halbverlotterter Typ.
Wir fragen ihn, wo denn dieser Torowaep sein soll...und er zeigt nach vorne: na hier...
Rainer holt das Prospekt raus und zeigt, was wir sehen wollen.
Achso, den meint Ihr...
Er springt in seinen FlipFlops zwischen den Steinen runter wie ein Äffchen und führt uns an einen Punkt, den wir nie gefunden hätten. Ich muß kurz vorher stoppen, denn vor mir ist die knallharte Steilfront. Ich kriege Angst! Er und Rainer kriechen noch unter einem anderen Stein durch. Da fällt mir nur ein, daß ich keine Autoschlüssel habe...im Falle Rainer stürzt ab.

36°12'55"N 113°03'21"W

Ich gebe zu, ich bin etwas enttäuscht. Die Sicht ist nicht besonders. Die Canyonwände nehmen an Farbintensität momentan noch zu aber durch die Waldbrände in Colorado und Arizona ziehen blaue Nebelschwaden durch den Canyon...Naja. Wir waren hier.
Dann stellt sich der Typ vor, er sei Philip, ist aus Liverpool und wartet hier auf das geniale Sommer-Unwetter, damit er entsprechende Aufnahmen machen kann. Philip ist Fotograf.
Er zeigt uns noch einen sensationellen Aussichtspunkt, wo Fotos von bestimmten, anderen Ansichten für Landschaftsillustrierte gemacht werden. Er sagt, das sind alles Morninglocations.
Ok. Ich hab alles gesehen und kein Foto gemacht.
Wir verabreden uns für den kommenden Morgen. So gegen 5am ist Sonnenaufgang.
Abendbrot gibt es vor einer ganz besonderen Kullisse.
Und bevor wir uns aber "nachtfertig" machen, wird das Auto präpariert: Alle Fenster werden mit dem mitgebrachten Fliegengitter abgeklebt, damit wir mit offenen Fenstern schlafen können.
Die 2 großen Koffer und die Palette Wasser legen wir auf's Autodach.
Nach 9pm geht's dann in's "Bett"...
Der Escape bietet eine angenehme Liegebreite und Länge. Rainer mit seinen 1.94 m Größe kann sich ganz ausstrecken.
Nur die Wärme...die ist eklig!
Kurz nach 11.30pm:

"Rainer?"
"ja"
"hörst Du es auch?"
"ja"
"was ist'n das?"
"weiß ich nicht, aber wir haben eine Taschenlampe..."
"wo is'n die?"
"im Rucksack"
"wo ist der Rucksack?"
"...ach du Sch...der ist ja ganz vorn vergraben im Fußraum..."
to be continued...
Gefahrene Meilen: 201mi = 323km
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