• Kathmandu - Lhasa
    und zurück
,

Highlights des Tages

Thamel

Read More

Der touristische Stadtteil Kathmandus ...

Durbar Square

Read More

Der Platz vor dem königlichen Palast ist UNESCO-Weltkulturerbe ...

Dünne Luft auf dem Dach der Welt

- Prolog -

Außergewöhnliche Anlässe erfordern außergewöhnliche Reisen.

Auf der Suche nach einer Idee für unsere Silberhochzeitsreise stoße ich auf ein Foto: das Potala Kloster.
Ein gigantisches Gebäude vor stahlblauem Himmel.

Da will ich hin.
Das Foto will ich auch machen. Rainer gefällt und interessiert dieses Ziel auch.

Dann beginnt erst einmal die Sondierung und Studium diverser Reisekataloge und der wenigen Literatur, die es zu diesem Gebiet gibt. Dazu kommen verschiedene Schreibweisen der vielen unbekannten Orte und ich bin mir nicht immer sicher, ob es sich um die gleichen Orte handelt.
Aber ganz klar vor Augen habe ich Lhasa und dieses bekannteste Kloster der tibetischen Welt.

Bei der Suche nach einem geeigneten Veranstalter stoße ich recht schnell an die Grenzen. Denn ganz typische Anbieter wie DER-Tours, TUI, Studiosus Reisen etc. scheiden recht schnell aus. Wir haben nur ein Zeitfenster von genua 10 Tagen.

In einem Weltreisen Forum bekomme ich einen Tipp: www.sagarmatha-trekking.de.
Ein Veranstalter für Individualreisen und Kenner dieser Gegend.
Der erste Kontakt mit Herrn Schneider (Inhaber) ist sehr erfrischend.
Er macht einen kompetenten Eindruck.
Er versteht unseren Wunsch, die Höhepunkte Tibets zu bereisen und dieses als Paket in diesem so eingeschränkten Zeitfenster zu schnüren.
Wir erfahren auch, daß man nicht einfach von Deutschland nach Tibet einreisen kann, sondern immer den Umweg über China (also Peking) oder über Nepal (Kathmandu) machen muß. Denn erst dort kann man ein Visum zur Einreise erhalten.
Wir entscheiden uns für den Weg über Nepal.

Unsere Route der nächsten 9 Tage:
  • Anreise und 2 Tage Aufenthalt in Kathmandu/Nepal
  • Flug nach Lhasa/2 Tage Aufenthalt in und um Lhasa
  • Fahrt über Mt.Khanba La Pass (4500m Höhe) und über Gyantse nach Shigatse (chin:Xigatse)
  • Shigatse, Fahrt über Zola Pass, Lha Tse Pass (5100m Höhe) nach Baiba/ Shegar (chin.Xegar)
  • Fahrt zum Qomolungma Base Camp, Höhe: 5.800 m (Mt.Everest Base Camp)
  • Fahrt über Zhangmuzhen (Tibet-Nepal-Grenze) bis Kathmandu
Kathmandu-Tibet

- Anreise und Tag 1 -

Am 27.September 2006 starten wir endlich unsere Reise in das so unbekannte Land.

Asien ist uns kein unbekannter Kontinent, viele Male haben wir verschiedene Orte beziehungsweise Länder bereist.
Aber Asien ist immer ganz anders und nicht zu vergleichen mit den unterschiedlichen Gegebenheiten, wie wir sie in Europa zwischen den verschiedenen Ländern kennen.

Der Flug startet kurz nach Mittag und so frühstücken wir ganz gepflegt und fahren ganz entspannt zum Airport TXL.

ap>Zum ersten Mal fliegen wir mit Qatar Air.
Mit einem Airbus 319 geht es erst einmal nach Doha.
Der Flieger ist voll belegt.
Wir beobachten Mitreisende mit "fremdländischem" Aussehen. So z.B. das Ehepaar mit Kind in der Nachbarreihe . Die Frau mit persischem Aussehen, hat einen knallgelben, seidenglänzenden Hosenanzug mit auffälligem Fantasiemuster an - dazu hochhackige Schuhe. Wow!
Essen, Quatar Airlines Neben uns sitzt ein Lehrer aus Berlin auf dem Weg auf eine fünf wöchige Reise durch Laos und Kambodscha - klingt auch sehr interessant.
Er erklärt mir auch, daß der Pfeil, der ständig auf dem Bildschirm zu sehen ist, die Richtung nach Mekka anzeigt.
Ok, wieder 'was dazu gelernt.
Der Service ist großartig. Es gibt sogar noch eine Speisekarte, ein Etui mit Schlafmaske, Socken, Earplugs, Zahnbürste und das in der Holzklasse!
Das Essen ist, obwohl es auf dem Foto nur "normal" aussieht, richtig schmackhaft.
Nicht zu vergleichen mit dem Essen bei anderen Airlines.

Kurz vor der Landung weist uns der Captain noch einmal darauf hin, daß jetzt gerade Ramadan Zeit ist, wir dies bitte respektieren und nur in geschlossenen Räumen Speisen und Getränke zu uns nehmen sollen.

Am Flughafen Doha haben wir 4,5 Std. Aufenthalt.
In Vorbereitung auf die Reise habe ich gelesen, daß man für 30 USD im VIP-Raum des Airports die Zeit verbringen kann.
Wir schauen uns den Raum an und entscheiden uns dagegen.
Lieber stromern wir auf dem Airport und beobachten.
Menschen mit Kleidung und Kopfbedeckungen außergewöhnlichster Art gibt es hier zu sehen.
Wir suchen uns ein Café und sind von hier aus nur noch am Gucken und Staunen.
Ein echt reges Treiben herrscht vor der Damentoilette. Auffällig viele bunt und teuer gekleideter Frauen verschwinden in den Räumen und verlassen im Tschador oder gar Burka gekleidet die Toiletten.
Wir erkennen auch "unsere" Nachbarin aus der Nebenreihe des Fliegers von Berlin. Auch sie verschwindet auf der Toilette und erscheint in einem schwarzen Tschador.
So ist das also.

Die Zeit verfliegt im Nu.
Wir gehen zu unserem Gate.
Hier warten erstaunlich viele Männer in weißen, legeren Anzügen und seltsamen topfähnlichen Filzhüten. Männer mit so orangem Haar und türkisenen Augen.
Solche Menschen haben wir noch nie gesehen.
Aus welchen Ländern kommen sie?
Uns fällt ein, daß wir kurz vor der Abreise einen Bericht in einer Nachrichtensendung gesehen haben, der von einem Treffen der War Lords in Pakistan berichtete.
Für uns ist nun alles klar: das Gehabe und das unterschiedliche Aussehen das können nur War Lords sein!

Unsere innere Uhr hat schon tiefste Nacht und so vergeht der nächste Flug von Doha nach Kathmandu sehr schnell.
Beeindruckend ist, daß die pakistanische Grenze in seiner gesamten Länge so gut beleuchtet ist, daß man es aus dem Flieger sehen kann.
Als das Frühstück serviert wird, ist es draußen hell.
Wir fliegen (gefühlt) haarscharf an den Spitzen des Himalaya Gebirges entlang.
Dann führt der Pilot das Flugzeug mitten rein in diese schneebedeckte Landschaft voller Sieben- und Achttausender.
Ich gehe davon aus: er kann das und weiß was er tut.

Kathmandu, Hauptstadt von Nepal, empfängt uns bei glasklarem Wetterchen.
Wir landen und gehen über das Rollfeld zum Gate.
Ich sehe keine wirkliche Kontrolle.
Kann mir auch egal sein.

Das Abenteuer beginnt!!

Kathmandu International Airport

Am Ausgang des Flughafens stehen geschätzte tausend Menschen.
Es wirkt alles so wirr und durcheinander.
Wir versuchen uns zu orientieren, wo unser Ansprechpartner steht.
Wahnsinn.
Schilder über Schilder und ja wir entdecken jemand, der ein Schild "Schneider-Sagarmatha" nach oben hält.
Wir nähern uns. Aber er spricht kein Englisch. Wir sind verunsichert.
Er gestikuliert und wir verstehen, daß wir ihm folgen sollen. Er führt uns zu einem weißen Minibus und fünf Männer machen sich an unseren Koffern zu schaffen.
Oh neee! Was wird das jetzt? Werden wir entführt oder nur ausgeraubt???
Dann kommt endlich jemand, der deutsch spricht.
Ein sehr junger Mann mit fast akzentfreiem Deutsch. Er begrüßt uns und stellt sich als unser Betreuer in Kathmandu vor. 

Ich bin überglücklich, als wir diese Masse an Menschen und den Platz verlassen.
Wir überqueren eine Flußbrücke.
Vom Fluß kann ich nichts sehen, aber die abfallenden zum Flußbett führenden Uferflächen.
Doch irgend etwas "irritiert" ein wenig.
Ist das weißer Dreck?...
Papier?...
Tüten?...
Ich sehe nur Müll!

Wir fahren weiter und ich sehe Szenen wie ich sie nur aus dem TV kenne: Kühe am Rande der Straße, auch Ziegen.
Menschen sitzen und liegen auf der Straße.
Viele Häuser haben keine sichtbare Eingangstür oder Fenster.
Überhaupt ist diese Art von Hausbau völlig fremd.
Ich beobachte einen im hellen Anzug gekleideten Mann, wie er am Straßenrand liegt und uriniert.

Ich bin schockiert und kann mir nicht vorstellen, daß es hier ein Hotel geben soll, in dem wir die nächsten Nächte schlafen können.
Auch Rainer ist völlig wortlos.
Auf was haben wir uns nur eingelass?
Ich bin mir ganz sicher: der Schock ist uns ins Gesicht geschrieben.

Unser Guide erzählt irgendetwas, aber ich kann mich nicht konzentrieren und bin von dem Gesehenem völlig gefesselt.
Hotel Marshyangdi

Dann bleiben wir vor einem großen, grauen Eisentor stehen, das geöffnet wird.
Hotel Marshyangdi
Ja, das steht in unseren Unterlagen.
Wir wurden also weder verschleppt noch entführt

Bevor wir verabschiedetvwerden, beteuert uns unser Betreuer, daß Nepal ein sicheres Land ist.
Offensichtlich hat er unsere Zweifel am Gesichtsausdruck erkennen können.
Wir könnten getrost Taxis nehmen, ohne Angst zu haben, sollen aber vor dem Einsteigen den Preis aushandeln.
Wir verabreden uns auf den folgenden Tag, geben dem Betreuer unsere Pässe, er will ja das Visum für Tibet besorgen.

Jetzt sind wir auf uns selbst gestellt.
Einen Guide für Kathmandu haben wir nicht gebucht.

Unser Zimmer ist sehr groß und sehr praktisch eingerichtet.
Das Bad hat alles was es braucht.
Jetzt brauchen wir erst einmal Erholung.
Das war einfach mal ziemlich viel an Neuem.
Wir machen erst einmal Mittagsschlaf.

Einige Stunden später werden wir wach und brechen auf, um Kathmandu zu entdecken.

# Thamel

Das Marshyangdi befindet sich im Stadtteil Thamel. Hier befinden sich die meisten Hotels.
Bevor wir also diesen Stadtteil erkunden, gehen wir in die oberste Etage des Hotels, um einen Überblick über die Umgebung zu bekommen.

Dann wagen wir den Alleingang in das Unbekannte.
Unterwegs halte ich meinen Fotoapparat erst mal nur hin, von fotografieren kann jetzt nicht die Rede sein. Ich bin unfähig etwas Bekanntes zu entdecken und zu entscheiden.
Alles, aber auch alles ist neu für unsere Augen.
Die Menschen und auch deren Lebensraum.
Wir kommen aus dem Staunen nicht raus!

Thamel,Kathmandu,Nepal
Thamel,Kathmandu,Nepal
Thamel,Kathmandu,Nepal

Schnell mal die Hose reparieren lassen...
... vertrauenswürdige Briefkästen???
... Café und Internet... auch hier völlig normal
Wir kriegen den Mund nicht zu.

Während wir schlendern, verlassen wir den Stadtteil Thamel.
Wir fühlen uns mittlerweile sicher oder nicht unsicherer als zu Hause.
Keiner faßt uns an, keiner zerrt an einem, keiner bettelt.
Verkäufer sind hier überwiegend männlich und haben es angesichts der Menge an kauffreudigen aber sehr kritischen Frauen nicht wirklich einfach.

Als nächstes gehen wir über den Fluß Bisnumati und beobachten auch hier das Feierabendgeschehen.

Thamel,Kathmandu,Nepal
Thamel,Kathmandu,Nepal
Thamel,Kathmandu,Nepal

# Durbar Square

Dann geht es wieder in die  historische Altstadt zum Durbar Square.
Dieser gehört zum Weltkulturerbe.
Hier soll es über 50 Tempel, Schreine und Paläste geben.

Da wir keinen direkten Guide für Kathmandu haben, erschließt sich uns nicht, welches Gebäude welcher Heiligkeit gewidmet ist.
Aber selbst wenn wir einen Stadtführer hätten, würde uns jede weitere Information, außer die Visuelle, total überfordern.
Wir sitzen auf den Treppen eines Tempels und lassen das Treiben vorbeiziehen.
Es sieht aus als wäre jetzt ganz Kathmandu auf den Beinen.
Es ist schwierig, ein System zu erkennen. Fußgänger, Mopeds und Kleinstkutschen teilen sich die gleichen engen Wege.
Ich fange an, mich mit Kathmandu anzufreunden. Alles - einfach alles ist faszinierend!

Durbar Square, Kathmandu
Durbar Square, Kathmandu
Durbar Square, Kathmandu
Durbar Square, Kathmandu
Durbar Square, Kathmandu

Nur schwer können wir uns lösen und versuchen zum Hotel zu gelangen.
Kaum zu glauben, daß ich noch heute früh am liebsten wieder zurück geflogen wäre.

Durbar Square, Kathmandu
Durbar Square, Kathmandu

Am frühen Abend nehmen wir ein Taxi zu einem empfohlenem Restaurant, dem "Bhojan Griha".
Es ist ein mehrstöckiges Restaurant und wir werden bis in die oberste Etage geführt.
Dort werden wir auf dem Boden platziert.
Kathmandu, Bhojan Griha Stühle gibt es hier nicht.
Zeitiges Kommen sichert gute Plätze.
Ein guter Platz hier ist einer an der Wand, so kann man sich wenigstens anlehnen. Die einstündige Tanzshow gefällt uns gut.
Anschließend gehen wir eine Etage tiefer und bekommen hier einen Tisch zugewiesen. Alles ist ziemlich dunkel und nur Kerzen spenden etwas Licht. Dann wird uns das Essen serviert.

Kathmandu, Bhojan Griha

Immer wieder kommt ein Kellner und bringt neues Essen aus einem riesigen Topf. Keine Ahnung was genau wir essen, eine Speisekarte gab es nicht, aber es ist wirklich schmackhaft.

Den Rückweg gehen wir zu Fuß.

Ein Taxi ist nicht zu sehen.
Aber schon auf dem Hinweg haben wir gesehen, daß es gar nicht so weit sein kann.
Gerade als wir eine belebtere Straßen erreichen, wird es stockdunkel und alle Straßenlaternen gehen alle aus.
Wir gehen weiter und erreichen bald Thamel, den Stadtbezirk wo unser Hotel ist.

Im Hotel sagt man uns, daß es allabendlich immer wieder Stromausfälle gibt, das ist also nichts Besonderes.
Geschafft fallen wir ins Bett.
Der Tag war voll von neuen Erlebnissen und Gesehenem.