Ab in den Norden

Kurz nach 6am sind wir schon im Restaurant und frühstücken.
Wir sind eine der ersten Gäste. Die Auswahl ist ganz wie ich sie mag: chinesische Suppe, gefolgt vom Frühstück westlicher Art.
Draußen ist es noch dunkel und nicht einmal 10°C warm.

Breakfast Haytt Regency, Perth, sylwiabuch.de

Alle folgenden Tätigkeiten laufen wie vorprogrammiert ab:
Koffer schnappen - Auschecken - in's Taxi Richtung Airport steigen.

Gut gelaunt und voller Vorfreude, was uns nun in den kommenden 22 Tagen auf der Reise von Darwin nach Perth erwarten wird, schauen wir aus dem Taxifenster und beobachten die morgendliche Rush Hour.
Die Fahrt zum Airport nimmt irgendwie kein Ende. Ab und zu stehen wir sogar im Stau.
Und die Zeit läuft und läuft.
Unsere Verwunderung über die lange Anfahrt versteht der Taxifahrer gar nicht und fragt nach unserer Abflugzeit.
"8.45 am"
"Ja aber da sind Sie doch viel zu spät gestartet!
Das wird aber knapp!"
Ok. Also ich bin ganz entspannt und schiebe mal die Verantwortung auf Rainer.
Schließlich war er verantwortlich für das Festlegen der Startzeit.
Ich bin schon im Urlaubsmodus und denke insgeheim, daß wir dann eben den nächsten Flieger nehmen müssen. Auf dem heutigen Tagesprogramm gibt es nur den Flug nach Darwin.
Also "no worries"

Für die Taxifahrt bezahlen wir 36 AUD.

Kurz nach 8am erreichen wir endlich den Airport.
Hier sieht es nicht anders aus als in Sydneys Domestic Airport: spacig kühl und fast menschenleer.

Eingecheckt sind wir ja schon. Jetzt wollen wir nur noch unsere Koffer mit dem entsprechenden Klebchen versorgen.
Die Check-in-Automat sind fast selbsterklärend.
Ich halte meine in der WalletApp geöffnete Bordkarte an den Scanner und los geht's.
Das erste Klebchen schiebt sich aus dem entsprechenden Schlitz.
Und das Zweite...?
Papier alle... Na Klasse!
Rainer versucht es nun an einem anderen Counter. Aber nichts passiert.
Zwei Damen von VirginAustralia - im Slow-Motion-Modus - sind die einzigen die man weit und breit sehen kann.
Beide sind schwer beschäftigt und können nicht behilflich sein.
"One second please" ist das, was sie gerade noch neben ihrer anderen Tätigkeit sagen können.
Multitasking? Fehlanzeige.
Wenigstens könnten sie unser Problem kurz anhören.
Inzwischen versuche ich den ersten Koffer los zu werden.
Aber auch hier funktioniert nichts.
Ein älteres Ehepaar winkt schon ab und deutet darauf hin, daß dieses Band auch bei ihnen nicht funktionierte.
Aber das daneben funktioniert.
Ok. Der erste Koffer ist schon mal unterwegs.

Notiz zum Flug mit VirginAustralia:
Platzverhältnisse wie bei Quantas Domestic
Essen: Glutamat getränktes Spinat-Blätterteig-Croissant
Gin Tonic - Preis (2016) 10AUD

Die Zeit rennt und das Boarding hat schon begonnen.
Wir stehen immer noch mit dem Koffer in der Check-in Halle und können wegen dem fehlenden Druckerpapier nicht weiter.
Endlich hat einer der Damen von VirginAustralia begriffen, daß unser Flieger in weniger als 30 Minuten starten soll. Und wir können wegen dem fehlenden Papier nicht weiter!
Ich bin begeistert!
Was für ein Urlaub. Können wir nicht auch 'mal das Flugzeug in Ruhe erreichen?
Immer hasten wir zum Flieger!
Tatsächlich besteigen wir die Boeing 737-800 als letzte Passagiere und gefühlte Sekunden später ertönt das "Boarding completed".
Noch eine kurze Kurve am Airport und wir heben ab.

Wir sitzen auf der rechten Seite und irgendwie habe ich auf einen tollen Ausblick auf die "Erdmuster" wie im letzten Jahr gehofft. Doch die Sicht ist nicht sonderlich gut, weil wir genau am Flügel sitzen.

Wie praktisch.
Aus den GPS Daten meines Smartphones kann ich unsere geflogene Route rekonstruieren. Damit ist auch ersichtlich, was ich da gesehen habe:

Little Sandy Desert, sylwiabuch.de

Hier fliegen wir über die Little Sandy Desert...

Später tangieren wir noch den Purnululu National Park und den Lake Argyle.

Drei Stunden später peilen wir Darwin an.

Landing Darwin, sylwiabuch.de

Kurz vor der Landung in Darwin...

#Darwin

Herrlich.
Angenehme und trockene 34° C fühlen sich einfach mal wohltuend auf der Haut an.
Erst einmal Pulli aus und genießen.
Die Sonne strahlt und wer jetzt nicht in Urlaubsmodus schalten kann, dem ist nicht mehr zu helfen!

Am Taxistand sind wir nicht die Einzigen.
Aber das ist so etwas von egal.
Unser Taxifahrer ist ein Inder. Ein echt netter Kerl.
Wir beide lieben es, wenn der Taxifahrer mit uns etwas plaudert.
Als wir erwähnen, daß auch wir schon einen Teil von Indien bereist haben, ist er völlig aus dem Häuschen.
Fragt natürlich wo wir waren, wie es uns gefallen hat und wie wir das Essen gemocht haben.
Dann erzählt er uns auf dem Weg zum Hotel seine bisherige Lebensgeschichte.
Er scheint um die 30 zu sein. Sonst hätten wir noch ein paar Runden um's Hotel machen müssen
Aber wie gesagt: wir mögen so etwas und haben uns köstlich amüsiert.

Für die Taxifahrt bezahlen wir 33 AUD.

Das DoubleTree, und das meine ich jetzt ernst, buche ich bevorzugt gern wegen dem Chocolate Cookie.
Irgendwie ist das wie nach Hause kommen.
Schließlich haben wir auf unseren USA-Reisen schon sehr oft in diesen Hotels übernachtet.
So ist das Zimmer selbst in Australien keine Überraschung.
Alles ist wie immer. Und darauf kann man sich eben verlassen.
Als Honour Mitglied - das habe ich schnell mal beantragt wegen dem kostenlosen wifi in Darwins DoubleTree - bekommen wir hier in Darwin noch ein Willkommenspaket mit Wasser und Pralinen.

Landing Darwin, sylwiabuch.de

Der Architekt dieses DoubleTree in Darwin hat sich eine schöne Flurgestaltung einfallen lassen !

Nach dem kurzen Mittagsschlaf starten wir, um das Städtchen zu erkunden.
Wir haben noch kein Mietauto und spazieren zu Fuß entlang der "Esplanade".
Palmen und tropische Bäume, englisch wirkende Häuser und ebensolche Vorgärten zaubern ein herrliches Flair. Auf uns wirkt es jedenfalls nicht sehr australisch. Die Straßen sind menschenleer und erst ganz in der Nähe des Hafengebietes begegnen wir anderen Urlaubern.

Darwin, sylwiabuch.de

Das Flair von einst: das Government House

Darwin, sylwiabuch.de

Die Frangipani Bäume blühen so herrlich. Und das mitten im Winter.

Darwin, sylwiabuch.de

Die Northern Territory Library

An der Darwin Waterfront sind die meisten Lokale geschlossen.
Und die, die geöffnet sind, laden so gar nicht zum Verweilen an.
Und so suchen wir uns ein Plätzchen auf der riesigen Wiese, die die Lagune umsäumt, beobachten ein paar Schwimmer, kommentieren und kritisieren den Schwimmstil und genießen es einfach mal hier zu sein.

Darwin, sylwiabuch.de

Darwin
1839 nannte Kapitän Wickham den kurz zuvor neu entdeckten Naturhafen zu Ehren des Naturforschers Darwin.
Doch der Ort entstand eigentlich erst etwa 30 Jahre später. Nachdem im südlich gelegenem Pine Creek Gold gefunden wurde.

Für den Rückweg nehmen wir den Weg entlang der Mitchell St. und der sich anschließenden Fußgängerzone.
Auch für die wenigen Stunden unseres Aufenthaltes in Darwin habe ich mich inhaltlich so gar nicht vorbereitet.
Ich denke jetzt: schade.
Denn Darwin hat eine Geschichte. Auch eine traurige Geschichte:
Einmal wurde es 1942 während dem 2.Weltkrieg zum Hauptangriffsziel japanischer Kampfflugzeuge und total verwüstet. Der Aufbau Darwins erfolgte nur sehr schleppend.
Erst Ende der 1950er Jahre profitierte die Stadt vom Hafen als Umschlagplatz für Fleisch-und Rohstoffexporte und die Einwohnerzahl stieg auf etwa 150 Tausend an.
Am 24.Dezember1974 zerstörte der Zyklon Tracy mit mehr als 260 Stundenkilometern die Stadt.
Und obwohl über 90% aller Häuser zerstört wurden, gab es nur 65 Tote.
In den folgenden Tagen flohen Tausende aus der Stadt.
Doch der Wiederaufbau erfolgte dieses Mal sehr zügig und die Hauptstadt von Northern Territory wurde wieder zur größten Stadt des Landes.

Und so ersetzte neue, moderne Architektur das Zerstörte. Nur wenige Gebäude haben überlebt und erinnern an das Flair von einst.

Darwin, sylwiabuch.de

In der Mall ist es eigentlich genau so ausgestorben, wie es schon entlang der Esplanade war.
Es ist Dienstag 5pm. Alle Geschäfte sind geschlossen.
Einzig und allein ein paar Aborigines mit Bierflaschen in der Hand bzw. so ziemlich betrunken lungern auf den Bänken.

Im "Char", einem Steak Restaurant, bekommen wir einen Tisch direkt an der Außenmauer mit einem fantastischen Blick Richtung Sonnenuntergang. Offensichtlich hatten wir Glück, denn wir hatten keine Bestellung und das ist in dieser Gaststätte nicht nur üblich sondern empfehlenswert.
Trotz der Größe sind bald alle Tische, jedenfalls draußen, besetzt.
Unsere Kellnerin ist heute morgen wohl auf dem linken Fuß aufgestanden.
Sie ist leicht genervt als ich auf ihre Platte mit der umfangreichen Auswahl an verschiedenen Sorten Fleisch schaue und mir nicht nur alles erklären lassen muß, sondern auch noch einige Zeit brauche um mich zu entscheiden.

Darwin, Char Restaurant, sylwiabuch.de
Darwin, Char Restaurant, sylwiabuch.de

Das Essen ist vorzüglich, ach quatsch, es ist unbeschreiblich lecker und wirklich jeden Dollar wert.
Dazu gibt es einen Sauvignon Blanc aus Tasmanien. Und der ist extrem köstlich und süffig.

Kurz nach 9pm erreichen wir das Hotel.
Es sind noch angenehme knappe 30°C und wir beenden den Tag mit einem herrlich erfrischendem Bad im Außenpool.