- Prolog -

Den ersten Reiseführer über Australien habe ich vor etwa 10 Jahren gekauft.
Hm, interessant.
Gelesen, Bilder geguckt, geblättert und wieder weggelegt.
Das Gefühl, dort muß ich unbedingt hin, das will ich unbedingt mit meinen eigenen Augen sehen...
Nein dieses Gefühl stellte sich nicht ein.

Zu groß waren die Bedenken, man würde ja doch nur Australien mit dem Gesehenen in den USA vergleichen.
Zum Beispiel fragte ich mich, wie oft müßte man hinfliegen, um einen guten Eindruck zu bekommen?
Ist Australien auch so ein "easy travelling Land" wie die USA?
Ist es dort sicher?
Und werde ich deren Englisch verstehen?
Und ganz vorn steht für mich natürlich die Frage: werde ich Bekanntschaft machen müssen mit Spinnen und Schlangen?
Und dann kommt das Problem mit den Jahreszeiten. Ausgerechnet wenn wir angehalten sind den Jahresurlaub zu nehmen, also zum Beispiel auch mal vier Wochen am Stück, ausgerechnet dann ist in Australien Winter.
Und wer will schon mit Anorak und Regenschirm in den Urlaub? Also wir nicht.
So landete der Reiseführer wieder im Regal...

Mit wenigen Ausnahmen reisen wir Jahr für Jahr in die USA.
Es ist fast schon wie ein Trip an den Müggelsee - also nicht mehr wirklich neu, nicht mehr wirklich aufregend.
Im letzten Jahr haben wir schon eine Abwechslung gewagt und haben uns für die Seychellen entschieden.
Mit mäßigen Erfolg.
Einfach zu wenig Action, zu wenig Festland und zu wenig Möglichkeiten zu reisen wie wir das mögen.

Ende 2014... das Bücherregal wird aussondiert, das Australienbuch fällt mir wieder in die Hände und es erweckt wieder mein Interesse.
Inzwischen weiß ich, daß Teile Australiens durchaus auch in unserem Sommer bereist werden können.
Für das Red Center ist dann sogar die beste Reisezeit.
Ok.
Rainer ist recht schnell überzeugt.
Beide rechnen wir mit der Wahrscheinlichkeit, daß wir nur einmal die weite Anreise auf uns nehmen werden.
Deshalb sind wir uns ganz schnell einig, was wir sehen wollen: Sydney, den Uluru (Ayers Rock) und Rainer möchte unbedingt am Great Barrier Reef tauchen.

Geeignete Literatur für die Recherche ist schnell gefunden.
Die besten und entscheidenden Tipps bekommen wir allerdings bei einem Treffen im Februar, als sich Mitglieder des Forums Ingrids-Welt in Marburg treffen.

Die Recherche nehme ich ernst. Schließlich werden wir das Land zum ersten Mal besuchen. Da eine Reise mit einem Camper für Rainer ein absolutes No-Go ist und ich keine Lust auf Hotelsucherei vor Ort habe, "arbeite" ich mich mehrere Wochen durch diverse private Reiseberichte, Foren und Hotelwebsites.
Anfang Juni ist die letzte Übernachtung gebucht.

- Und das ist der Plan -

  • 4 Tage Sydney
  • 5 Tage Red Center
  • 15 Tage Queensland
  • 3 Tage Singapore
australien2015

- Anreise -

Als der Wecker kurz vor 7am klingelt, beginnt ein ganz normaler Arbeitstag.
Doch unser beider erster Gedanke ist: in etwas mehr als 40 Stunden werden wir wieder im Bett liegen können. Was für eine Vorstellung!
Es ist nicht unser erster sehr langer Anflug. Schon 2005 sind wir auf die "andere Seite", auf die Cook Islands geflogen. Doch damals haben wir einen Übernachtungsstopp in LAX eingelegt.

Am späten Nachmittag dann, direkt nach einem langen Arbeitstag, geht die Reise endlich los. Wir werden von Schwager&Schwägerin zum Flughafen kutschiert. Wie angenehm...
Weil die Singapore Airlines ihre neue Premium Economy erst im September einführen wird, haben wir den Flug TXL-SIN in der Premium Economy bei LH und SIN-SYD in der Holzklasse bei Singapore Airline gebucht. Doch wegen der immer wieder unvorhergesehenen Streiks bei der LH haben wir zur Sicherheit in Singapore einen etwas größeren Aufenthalt von etwa acht Stunden eingeplant.
Und eigentlich wollten wir endlich mal den Pool in Singapores Transitraum nutzen. Doch ausgerechnet in diesem Juni wurde dieser für eine Renovierung geschlossen.
Plan B mußte also her. Die Koffer lassen wir deshalb trotzdem bis Sydney durchchecken. So sind wir in Singapore frei für Unternehmungen.

Kurz nach 18 Uhr geht's dann endlich los. Wir starten mit einer Runde über Berlin mit einer traumhaften Aussicht und dann bei der Landung auch noch Frankfurt.

abflug Berlin

...tschö Berlin!

seenlandschaft, berlin, Frankfurt

Seenlandschaft: Berlin & Frankfurt

anflug Frankfurt

...hallo Frankfurt!

Der erste "Hopser" nach Frankfurt ist wie eine kurze Erwärmung für den langen, sehr langen Flug. Hier haben wir etwas mehr als zwei Stunden Zeit um das Terminal Z zu erreichen.
An der Bar stoßen wir mit einem Bier und einem Cosmopolitan auf die bevorstehende Reise an. Dabei lernen wir drei Reisende kennen, die mit der gleichen Maschine fliegen wollen. Und weil sie nicht schon rechtzeitig online eingecheckt haben, müssen sie jetzt, auf der überbuchten Maschine, um ihre Plätze bangen. Trotzdem haben wir bis zum Boarding eine lustige Unterhaltung.

A380 Wien, Frankfurt

Der Flug ist weitestgehend unauffällig.
Knapp zwölf Stunden sind selbst in den bequemen Sitzen der Premium Economy elende lang!

abflug Frankfurt

Beim Anflug auf Singapore sitzen wir wieder einmal genau auf der richtigen Seite, um die Stadt von oben sehen zu können. Ja die letzten Male haben sich die Plätze auf der linken Seite als guter Griff erwiesen.

singapore
singapore

In Singapore erwartet uns schon HongLi. Eigentlich ist es eine Bekannte unserer Tochter. Doch seit dem sie auch mal bei uns in Berlin zu Besuch war, ist sie jedes Mal auch für uns in Singapore da.

Mit ihrem roten Mazda kutschiert sie uns Richtung Chinatown und wählt dabei neue Strecken, die wir noch nicht kennen. Zeigt uns den alten Flughafen und das neue futuristisch wirkende Sportstadium, neue Wohn-und Bürohäuser.

In Chinatown parken wir im Peoples Park Complex. Zwar waren wir schon sehr oft hier. Aber frisch aus Deutschland angekommen, ist es faszinierend und fesselnd zugleich dieses Treiben mit zu erleben, die verschiedenen so typischen Düfte aufzusaugen und die Geräuschkulisse erst einmal auf sich wirken zu lassen.

Zuerst geht es zu einem Massagesalon, den wir bei jedem Besuch in Singapore aufsuchen.
Doch dieses Mal gestaltet es sich etwas schwierig, denn es ist Samstagabend und der Laden hoffnungsvoll überfüllt.
HongLi, auch der chinesischen Sprache mächtig, diskutiert und diskutiert. Für mich hört es sich eher an wie ein Streitgespräch!
Doch zwischendrin sagt HongLi ganz nebenbei: "she is fine".
Na dann ist alles klar.
Einige Minuten später werden auch wir platziert und bekommen eine 60 minütige Massage.
Wir haben zwar eine Fuß- und Nackenmassage gekauft, doch -und das ist auch gut so- werden wir von Sohle bis Knie und vom Halswirbel über die Arme und Hände bis zur Lendenwirbelsäule massiert.

Peoples Park Complex, Sigapore

Bekannter Weise essen Chinesen alles und ständig. Und so hat HongLi in der Zwischenzeit speziell eingelegtes Schweinefleisch sowie allerlei Obst besorgt, von dem wir nur die Jack Frucht und Ananas kennen. Bekanntes wie Unbekanntes schmecken aber echt lecker!

Nachdem wir so etwas Appetit bekommen haben, geht es zum eigentlichen Dinner nach LauPaSat.
Das gehört bei uns mittlerweile zum Ritual: am Ankunftstag gibt es hier Satays am Garkiosk 6. Neben köstlich kaltem Bier verschlingen wir 55 Satays, davon hat HongLi maximal 15 Stück abbekommen

LauPaSat, Singapore

Zwischendurch gibt es ein Feuerwerk, das wir zum Teil direkt und teilweise als Spiegelung an den verglasten Hochhäusern bewundern können. HongLi erklärt uns, daß es täglich Feuerwerksübungen gibt, da die Stadt am 9. August ihren 50. Jahrestag begehen wird.

Kurz nach 9pm machen wir uns auf den Rückweg. Wir wollen uns nun ein Taxi zum Airport nehmen. Aber HongLi wehrt ab. Schließlich hat sie sich extra für uns Zeit genommen und besteht darauf, uns nach Changi zum Airport zu bringen.

Am Changi Airport gibt es noch einen Kaffee für mich, wir kaufen etwas Kosmetika und einen Adapter für die australischen Steckdosen.
Das Gate ist super großzügig gestaltet. Wartestühle weit und breit. Noch besser sind die langen Bankliegen. Hier können wir unsere müden Knochen strecken und auch noch ein Nickerchen machen.

Changi Airport, Sigapore

Mit einer A380 geht es kurz vor 1am gen Sydney.
Wir sitzen in der Holzklasse und es ist tatsächlich ziemlich platzarm. Einzig und allein die Fußstütze stimmt mich zufrieden.
Insgesamt hatte ich die SIA etwas glamouröser in Erinnerung, aber das ist eben einfach nur meine rein subjektive Empfindung.

Der Flug gestaltet sich recht ruhig doch wegen der beengten Sitzverhältnisse in der Holzklasse ist an einen erholsamen Schlaf kaum zu denken.