Barcelona - Gaudì zu Ostern

Spanien stand bei uns nie auf der Liste.

Beeinflußt durch diverse Berichte aus dem TV, wo Deutsche, gekleidet mit einem Tanktop und einer Gummibund-Jerseyhose, mit schlechten Manieren und dabei saugend an meterlangen Strohhalmen aus einem Gefäß gefüllt mit rotem Gesöff ihren Spaß haben und das auch noch Urlaub nennen. Nö!
Da wollten wir nie hin.

2005 suchten wir für Ende November nach einem Urlaubsziel. Amex sammelte ohne unser Wissen so viele Punkte für uns an, daß wir Freiflüge bei AirBerlin in Anspruch nehmen konnten. Aber wohin im November? Eigentlich schwebte mir Sizilien vor. Entgegen meiner sonstigen Gewohnheit ging ich in ein Reisebüro. Schnell redete mir die Reisebürotante Sizilien im November aus. Sie meinte: um diese Zeit ist dort nichts los und fast alles geschlossen.
Sie schlug uns Andalusien vor.

Oh nö, nach Spanien wollte ich partout nicht, einfach wegen meiner Voreingenommenheit. Und wenn man mit mir auch noch überall deutsch spricht, ist das für mich kein Ausland und damit auch kein richtiger Urlaub.

Aus diesem Urlaub haben wir gelernt: Andalusien ist kein Mallorca
Und deutsch konnte dort so gut wie keiner.

Letztendlich war unser Spanieneinstieg ein voller Erfolg.

Bei der Planung für Ostern 2012 wollte ich den 2.Anlauf auf Sizilien machen. Doch leider waren die Flugverbindungen so ungünstig, daß man noch zusätzlich Urlaub hätte nehmen müssen, der für dieses Jahr schon verplant war.

Gut. Also dann sollte es eine Städtereise werden. Paris, London, Rom oder Venedig?

Wer die Wahl hat, hat die Qual. Barcelona bekam den Zuschlag und die Flugverbindung mit AirBerlin begünstigte die Entscheidung.

- Karfreitag-

Viel zu früh klingelt der Wecker. Trotz vorhergesagtem Schlechtwetter strahlt die Sonne wie im Hochsommer. Die Straßen sind traumhaft leer und wir erreichen nach 40 Minuten das Carport am Airport, wo wir unser Auto für die nächsten Tage gut behütet hoffen. Mit dem Shuttlebus geht's dann zum Airport.
Auf dem Weg dorthin, muß man noch den Aufzug nehmen. Otto Schily und seine Frau stehen mit uns in der Aufzugskabine. Ich hoffe, er fliegt nicht mit uns im gleichen Flieger, denn wenn Politiker oder andere superwichtige Leute im Flieger sitzen, dann dauert das Borden viel länger, weil die ja nicht über die gleiche Gangway einsteigen können. Ein Glück, die fliegen woanders hin.

Zum 3. Mal fliegen wir also mit AirBerlin. Der Sitzabstand ist schön eng, dafür gibt es eine unendliche Auswahl an "Frauenverblödungszeitschriften".

Ganze 2 Std und 20 Minuten später sind wir schon da.
Der Himmel ist verhangen, es nieselt. Na Klasse!
Die Anbindung: Airport – Barcelona City ist traumhaft einfach gelöst: mit dem Aerobus, dessen Station ganz leicht zu finden ist, fahren wir für 10.40€ (Hin-und Rückfahrt p.P.) bequem in die City. An der Plaza Universitat wechseln wir in einen normalen Bus, dem 54-er, und nach wenigen Metern Fußmarsch erreichen wir unser Hotel, das Hotel U232.

Das Ambiente ist ein Traum. Voll durchgestylt in warmem Schwarz und Beige sowie kirschfarbenen Hölzern. Leise Bossa Nova Musik tönt im Hintergrund. So kann der Urlaub beginnen.
Dank diverser Hinweise bei tripadvisor nehmen wir ein Zimmer zum Hof. Das erweist sich als prima Tipp. Die Aussicht ist zwar sehr katalanisch, aber himmlisch ruhig. Das Zimmer ist mit allem ausgestattet, was man so braucht und sieht einfach nur topstylisch aus und ist auch absolut "spotless clean".

Hotel U232, barcelona
Hotel U232, barcelona

Ein Blick aus dem Balkonfenster: es gibt tropischen Regen mit riesigen Tropfen.
Na das trifft sich ja gut, so haben wir auch gar kein schlechtes Gewissen und machen erst einmal Mittagsschlaf.

Gegen 15 Uhr starten wir endlich. Der Regen hat sich verzogen und mit viel Willen sieht man ab und zu die Sonne. An der Ecke, in einem Straßencafé stärken wir uns. Für ganze 3.80€ gibt es 2 wirklich leckere Cappuccini, Wasser und eine mit Wurst belegte Baguette.

Unsere U-Bahnstation heißt "Hospital Clinic". Hier fährt die blaue Linie L5 und ist ein idealer Zubringer zum Drehkreuz Diagonal, von wo man z.B. mit der grünen Linie L3 zum Passeig de Gràcia (Casa Mila, Casa Batllo) sowie zu den Ramblas gelangt.

Praktischerweise gibt es eine T10 Karte für 9.25€ mit der man, wie der Name schon sagt, 10 Fahrten hat. Noch praktischer ist, daß man auch zu zweit eine Karte benutzen kann. Eine Einzelfahrt kostet dagegen 2€.

Alles ist super ausgeschildert.

# Las Ramblas

Unser erstes Ziel sind die Las Ramblas, die schon dem aus dem deutschen stammenden Wort: rammeln alle Ehre machen. Menschen über Menschen spazieren hier, ein Andenkenladen schließt am anderen an, Hütchenspieler und andere sonderbare Gestalten stehen rum… Aufgrund Ottos Erfahrungen und auch den Hinweisen einer Bekannten aus Singapore, die einen Monat vorher hier war und praktisch täglich für ihre Reisegruppe auf dem Polizeiamt wegen "Pickpocketing" saß, waren wir erst einmal etwas verunsichert oder besser gesagt: übervorsichtig.

Die Ramblas sind von wunderschönen Herrenhäusern eingerahmt und haben ein Flair das ich in Südamerika erwartet hätte.

Las Ramblas, Barcelona
Las Ramblas, Barcelona

Irgendwann ist es uns zu voll, wir schlagen uns in noch engere aber wesentlich leerere Straßen durch, wo Balkone mit hängenden Grünpflanzen die Fassade verschönern. Ein Traum.

Las Ramblas, Barcelona

# Kathedrale von Barcelona

Unsere erste Sehenswürdigkeit: die Kathedrale von Barcelona. Die Kathedrale aus dem 14.Jh. ist eins der markantesten Gebäude im "Barri Gòtic", dem gotischen Viertel.
Besonders schön ist der Platz vor der Kirche. Überall laden Cafés zum Verweilen und Beobachten ein.

Kathedrale, Barcelona
Kathedrale, Barcelona
Kathedrale, Barcelona
Kathedrale, Barcelona
Kathedrale, Barcelona
Kathedrale, Barcelona

In der Kathedrale ist die Hälfte abgesperrt, weil gerade eine Messe stattfindet. Der Aufgang zum Turm ist auch geschlossen, der ist nur zwischen 9Uhr und 12Uhr geöffnet. Wir beschließen also, morgen oder so noch einmal herzukommen.

# Barri Gòtic

Weiter geht es auf den Spuren des "Barri Gòtic", ein schöner Spaziergang durch enge und malerische Gassen und kleinen Plätzen…und überall kleine Cafés. Wir sind fasziniert.

Barri Gòtic, barcelona
Barri Gòtic, barcelona

# Port de Barcelona

Das Ende des vorgeschlagenen Rundganges kürzen wir ab und landen am Ende der Ramblas, direkt am Hafen.

Port de Barcelona
Port de Barcelona

Kurz vor Erreichen der Promenade müssen wir uns erst einmal stärken. Kaffee hatten wir schon. Also nehmen wir Wein, Salat und Iberischen Schinken mit Öl.
Das Wetter ist gar nicht so einladend. Es kann sich noch nicht entscheiden: Sonne oder kurz vor Wolkenbruch? Aber das stört uns nicht. Spätestens nach dem 2.Glas Wein ist uns warm genug.
Am Ende unserer Tour latschen wir entlang des Piers und staunen nur, wie viele Menschen auf den Beinen sind.

Port de Barcelona
Port de Barcelona
Port de Barcelona
Port de Barcelona

...seht Ihr uns?

Mittlerweile kam doch die Sonne raus und für's Nach-Hause-Gehen ist es noch zu früh, also fahren wir mit der Metro bis zur Station Passeig de Gràcia und staunen über die morgigen Ziele: Casa Batlló und Casa Milà, im Abendlicht.

Casa Milà, Barcelona

Casa Mila

 Barcelona

dazwischen etwas Modernes

Casa Batlló, Barcelona
Casa Batlló, Barcelona
Den Tag runden wir noch in einer Bar ab bei unendlich vielen Tapas und leckerem Bier.

Kurz vor 22.30Uhr sind wir endlich im Hotel.

Hm, Europareisen haben den echten Vorteil, daß man schon den ersten Tag im vollen Umfang nutzen kann… und das ohne Jetlag